Was für ein Auftritt!
Im Rahmen des Festivals Stars & Rising Stars trugen am 5. Mai im Künstlerhaus am Lenbachplatz Emily B. (11b), Vartan B. (7b), Jonas B. (7a), Greta O. (10b) und Stella R. (11b) die Texte zu Ludwig Tiecks „Die Schöne Magelone“ vor. Den gesanglichen Part (in der Vertonung von Johannes Brahms) hatte kein geringerer als der Tenor Daniel Behle und drei junge Nachwuchskünstler/innen übernommen (Idunnu Münch, Jeffrey Herminghaus, Maciej Pikulski) übernommen.
Wie beeindruckt das Publikum besonders von der Leistung unserer Leserinnen und Leser war, zeigte nicht nur der minutenlange Applaus für die Künstler, sondern auch die Kritik in der AZ vom 7. Mai:
Berühmte Schauspieler haben dieses Volksmärchen vorgetragen, teils phantastisch, teils ironisch, auch Sänger haben sich schon an der Rezitation versucht. Wohl noch nie aber wurde für den Liederzyklus „Die schöne Magelone“ von Johannes Brahms eine solche veritable Kompagnie aufgefahren, wie sie sich hier auf der Bühne des Künstlerhauses am Lenbachplatz versammelt: ein Tenor für das Gros der 15 Gesänge, ein Mezzosopran für die Frauenrolle, ein Bariton zur Abwechslung, ein Pianist für die Begleitung.
Und nicht weniger als fünf sehr junge Damen und Herren, die sich bei der Lesung der Texte des romantischen Dichters Ludwig Tieck abwechseln. Denn es handelt sich um Schülerinnen und Schüler des Wilhelmsgymnasiums.
Mit diesem Engagement erreicht das Festival „Stars & Rising Stars“ ein neues Level, indem bei der Suche nach künstlerischem Nachwuchs noch früher angesetzt wird. Sowohl die Mezzosopranistin Idunnu Münch, die ihre Magelone-Nummern mit strahlender Höhe und expressiver Tiefe ansatzweise dramatisch anlegt, als auch Jeffrey Herminghaus mit seiner vielversprechenden baritonalen Maskulinität haben ihr Studium abgeschlossen und befinden sich karrieremäßig schon wohlverdient im Aufschwung. Die Handvoll Eleven aus der 7. und 11. Klasse, die in altertümlicher Sprache von der ewigen Liebe zwischen dem Ritter und der holden Jungfrau künden, haben ihr Abitur hingegen noch vor sich, die Jungs auch den Stimmbruch.
Um so beeindruckender, wie schön sie artikulieren, mit wieviel Herz und Verstand sie die Dichtung auskleiden, nicht zuletzt wie souverän sie deklamieren, ohne ein einziges Verhaspeln. Das muss ihnen ein Profi erst einmal nachmachen. Dazu kommt eine makellose Vorbereitung des Auftritts und der Koordination der Textverteilung. Auch diese Sekundärtugenden des Bühnenlebens werden bei „Stars & Rising Stars“ gelehrt. Kein Wunder, wenn sich zukünftige Sänger oder Schauspieler unter diesen jungen Menschen befänden.
Gute zwei Drittel der Lieder bleiben für den Mentor der Truppe, Daniel Behle, zu singen und für den klangbegabten Pianisten Maciej Pikulski zu spielen. Selten begegnet man gerade im Lied einem Tenor, der seine Stimme so mühelos zart nach oben gleiten lassen kann und der soviel von den Feinheiten der Phrasierung versteht wie Behle, der auch eine Ausbildung als Komponist genossen hat. Sein intimes Portrait des edlen romantischen Ritters wird von der fabelhaften Rezitationsgruppe nicht in den Schatten gestellt, sondern sinnreich eingebettet. Wundervoll.
Ein ganz besonderes Dankeschön geht an Herrn Gollnau, der die Auswahl der Texte besorgt und die Einstudierung in bewährt großartiger Weise übernommen hatte.
M.H.



