
Die Bäume mit tiefen Wurzeln sind es, die hoch hinauf wachsen.
Frédéric Mistral
Humanismus als Lebenskunst
Das Wilhelmsgymnasium ist in mehrfacher Hinsicht eine „besondere“ Schule.
Zunächst einmal, weil es mit seinen 465 Jahren das älteste und damit traditionsreichste Gymnasium Münchens ist.
Das heißt, wir wollen die geistigen Grundlagen der Gegenwart vor dem Hintergrund der europäischen Vergangenheit bis zu ihren antiken Wurzeln bewusstmachen: denn wer die Gegenwart verstehen will, muss die Ursprünge begreifen.
Dann aber auch aufgrund seines besonderen Schulprofils: Mit der Ausrichtung unserer Schule als humanistisches Gymnasium haben wir uns zur Aufgabe gesetzt, unseren Schülerinnen und Schülern eine Form von Bildung zu vermitteln, die sie befähigt, die Herausforderungen einer modernen, globalisierten und digitalisierten Welt meistern zu können, und die ihnen gleichzeitig ein breites Orientierungswissen und Wertebewusstsein vermittelt – getragen von der Kenntnis der Ursprünge und Grundzüge unserer christlich-abendländischen Kultur.
Der Mensch im Zentrum
Dabei orientieren wir uns an einem Bildungsmodell, das ganz bewusst den Menschen ins Zentrum allen schulischen Handelns stellt. Die Griechen bezeichneten dieses Bildungsmodell als ε͐γκύκλικος παιδεία (enkyklikos paideia: kyklos: der Kreis, paideia: die Bildung).
Diese Bildungsidee umfasst den ganzen Menschen: den kognitiven wie den emotionalen, den intellektuellen wie den ästhetisch- musischen sowie den sportlichen Bereich. So wollen wir „Herz und Hirn“ unserer Schülerinnen und Schüler genauso zur Entfaltung bringen wie ihnen helfen, sich selbst zu reifen, eigenständigen Persönlichkeiten zu entwickeln – basierend auf einem sicheren Wertefundament und umfassendem Orientierungswissen.
Die Griechen haben dies auf die knappe Formel gebracht: γνῶθι σαυτόν ἄνθρωπον ὄντα – gnothi sauton anthropon onta: erkenne dich selbst, dass du ein Mensch bist.
Warum ein humanistisches Gymnasium?
Bildung des ganzen Menschen
Antike erleben – Technik meistern
Dazu gehört auch – aber nicht ausschließlich – die intensive Beschäftigung mit den klassischen Sprachen, die unsere Schülerinnen und Schüler anregen soll, mit den Denkmodellen der Antike in einen geistigen Dialog zu treten, diese Modelle reflektiert zu bewerten und die gewonnenen Erkenntnisse für die eigene Gegenwart und Zukunft fruchtbar zu machen. Daneben werden durch die Beschäftigung mit diesen beiden Kultursprachen Schlüsselkompetenzen wie methodische Disziplin, analytische Exaktheit, vernetztes Denken und nicht zuletzt die souveräne Beherrschung der deutschen Sprache vermittelt und weiterentwickelt.
Unverzichtbarer und gleichwertiger Bestandteil einer umfassenden Bildung ist aber selbstverständlich auch die souveräne Beherrschung moderner Fremdsprachen sowie der Bereiche Mathematik, Natur- und Geisteswissenschaften.
Latein und Griechisch
Kunst erleben
Und last but not least erscheint es uns genauso wichtig, in unseren Schülerinnen und Schülern einen Sinn für das ästhetisch Schöne zu entwickeln: Gerade das Engagement für Musik, Kunst, Literatur oder Theater, ob im Unterricht erlebt oder praktisch im Chor, Orchester oder einer unserer Theatergruppen ausgeübt, trägt maßgeblich zur Entwicklung einer reifen Persönlichkeit bei.
Sprachenfolge
Schulfamilie – Nähe finden, Weite erfahren
„Besonders“ ist unsere Schule aber auch aufgrund ihres Schulklimas. Unsere Schülerzahl von aktuell ca. 600 Schülerinnen und Schülern ermöglicht ein harmonisches Miteinander von Schülern, Lehrkräften und Eltern: Jeder kennt jeden, in unserer familiären Schulatmosphäre begegnen sich alle – vom Fünftklässler bis zum Schulleiter – mit Höflichkeit, Respekt und Toleranz.
Nicht ohne Grund lautet daher unser inoffizielles Schulmotto: WG = Wir Gemeinsam.
Und genau darin liegt auch ein wichtiger Schwerpunkt unserer pädagogischen Arbeit: auf die vielseitigen Bedürfnisse der jungen Menschen einzugehen, damit sich die intellektuelle und persönliche Entwicklung jedes Einzelnen voll entfalten kann. Wir wollen in unseren Schülerinnen und Schülern Grundhaltungen wie soziales Verhalten, Toleranz und Zivilcourage ebenso ausbilden wie Teamfähigkeit, Verantwortungsbereitschaft und Selbständigkeit. Dazu zählt außerdem die Aufgeschlossenheit für alles „Wahre, Gute und Schöne“.
Miteinander
Und so bilden sogenannte „Sekundärtugenden“ wie Höflichkeit, gegenseitiger Respekt, Sorgfalt, Pflichtbewusstsein und Selbstdisziplin das selbstverständliche Fundament unseres schulischen Zusammenlebens.
Und sollten einmal Probleme auftauchen, verfahren wir nach unserem bewährten Motto: wir reden miteinander, nicht übereinander. Bei tiefergehenden Problemen hilft unser „hauseigener“ Schulpsychologe gerne und bietet seine vielfältigen Beratungsdienste Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrkräften gleichermaßen an.
Kurz gesagt:
Das Wilhelmsgymnasium versteht sich als Mittler zwischen Tradition und Moderne. Als „Kulturgymnasium“ fühlen wir uns der humanistischen Tradition verpflichtet, die den ganzen Menschen in den Blick nimmt. Einen Blick, der den geistigen Horizont unserer Schülerinnen und Schüler weitet und dabei zugleich die Naturwissenschaften ebenso wie den musischen Bereich intensiv fördert. Wir wollen Freude am Denken und Lernen wecken, um in einer Welt sich rasch ändernder Werte und Standards unsere Schülerinnen und Schüler so auf das Leben vorzubereiten, dass sie den Herausforderungen einer hochtechnisierten, globalisierten und digitalisierten Zukunft gewachsen sind und ihre Aufgaben dank geistiger Flexibilität und Mobilität souverän meistern können.














