Die Odyssee in 80 Minuten

 … das war in der Volksbühne  ein sehr gelungenes Theaterstück mit den Best-of Szenen von Homer. Nach dem Prooemium in Altgriechisch gab es Dialogpassagen in Hexametern, Botenberichte und erzählten Text, der die zahlreichen Kürzungen verstehen half.
Neben Odysseus traten vier seiner Gefährten auf, die alle anderen Rollen übernahmen – nach dem Beginn bei den Kikonen ging es weiter zu Polyphem, der durch eine Videoinstallation durchaus gruselig-echt erschien, über Kirke dann zu Skylla und Charybdis und schließlich an den Hof von Ithaka. Götter kommen in der Aufführung keine vor.
Das Bühnenbild war karg: Nur mit Eisenstangen, die mal als Ruder oder Segelrah, zum Blenden und zum Kämpfen genutzt werden sowie Plastikfolie und viel Nebel gelang es, die unterschiedlichen Stationen darzustellen. Dazu triebt eine fetzige Musik Odysseus und seine Gefährten mal in den Rausch, in den Kampf oder in die Arme von Skylla.
Die Aufführung hat mir sehr gut gefallen, da sie voller Überraschungen, witzig und sehr unterhaltsam war. Es gelang außerdem sehr gut, eine Aktualität des Stoffes herzustellen: Odysseus ist kein edler, listiger Held, sondern ein skrupelloser Anführer, der nach eigenen Regeln lebt und immer Entschuldigungen für sein Handeln findet. Erst am Ende des Stückes, nach dem Besuch bei den Schatten in der Unterwelt und als er allein in Ithaka ankommt, besinnt sich Odysseus: „Wir haben Troja nie besiegt, sondern Troja uns. Wir bekämpften Trojas Schrecken und waren selber doch der Ursprung vieler neuer. Wozu sollen wir Menschen miteinander kämpfen?“
Das Geschehen auf der Bühne hätte meiner Ansicht gereicht, um zu zeigen wie aktuell der Stoff der Odyssee ist – die neben der Bühne auf den Seitenwänden erscheinenden Landkarten und Videos zu kriegerischen Konflikten seit dem trojanischen Krieg lenkten eher ab und waren meiner Ansicht nach unnötig.

Donata Gocke, 9a