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Althandy-Sammlung in Bayern:
bis 30.Juni 2012 Sammelstationen im Sekretariat und im Direktorat

 

 

XAIPETE, O ETAIPOI

"Was für ein erfreuliches Wesen ist der Mensch, wenn er ein Mensch ist." In diesem Satz Menanders steckt aller Optimismus, aber auch alle Skepsis, zu der griechische Weltanschauung und Vorstellung vom Menschen fähig ist. Die Bedingung seines Gelingens ist - so der optimistische und gleichzeitig allen nur denkbaren Schrecken provozierende Ansatz - in hohem Maße der Mensch sich selbst. Der Inhalt dieser Bedingung heißt PAIDEIA, also Erziehung und Bildung. Nichts anderes - aber auch nicht weniger ! - als eine glückende Erziehung und Bildung im Sinne der griechischen PAIDEIA hat der Griechischunterricht am Humanistischen Gymnasium, also auch am Wilhelmsgymnasium in München, zum Ziel.

Erster und wesentlicher Bestandteil dieses Unterrichts ist die Beschäftigung mit der griechischen Sprache.

 In den Klassen 9 bis 11 legen wir das Fundament mit Grammatik, Wortkunde, Übersetzungstechnik, Sprachreflexion. Diese drei Jahre beinhalten gleichzeitig eine systematische Einführung in die antike Mythologie, bieten einen Überblick über Modelle politischen Denkens, konfrontieren mit Möglichkeiten philosophischen Denkens und machen die Schüler mit literarischen Stoffen und Gattungen vertraut.

Wer an griechischen Grund- oder Leistungskursen teilnimmt - und diese gibt es an unserer Schule erfreulicherweise seit Einführung der Kollegstufe vor mehr als einem Vierteljahrhundert ununterbrochen, ja sie sind regelrecht ein Markenzeichen geworden, auf das wir alle ein bisschen stolz sind -, wer also Griechisch auch noch in der Kursphase der Kollegstufe besucht, hat nicht nur gute Chancen für ein erfolgreiches Bestehen der Abiturprüfung, sondern auch ein solides Fundament für das Studium.

Es würde zu weit führen, hier in die Diskussion über die Notwendigkeit, die Möglichkeiten, die Inhalte und die Grenzen einer spezifisch humanistischen Erziehung einzusteigen, aber auf einige wichtige Gesichtspunkte soll hingewiesen werden:

  • Grammatik, Syntax und Wortreichtum der griechischen Sprache bewirken eine Modulationsfähigkeit und einen Nuancenreichtum wie sie kaum eine andere europäische Sprache kennt. Nur deshalb konnten ja auch die großen, traditionsbildenden Gattungen von den Griechen nicht nur erfunden, sondern in kürzester Zeit zur Vollendung geführt werden.
  • Das Humanistisches Gymnasium richtet den Blick auf klassische Texte, in welchen diejenigen kulturellen Tatbestände versammelt sind, die alt, aber unbeschadet Ihres Alters nicht veraltet sind.
  • Insbesondere enthalten sie eine Vielzahl von Welt- und Menschenbildern, die zur Kenntnisnahme, aber auch zur Stellungnahme herausfordern. Die Offenheit für das Andere, Fremde, war ein besonderes Kennzeichen der griechischen Kultur
  • Indem wir uns das Fremde anvertrauen, sind wir fähig, das scheinbar Vertraute fremd zu empfinden. So wächst Kritikfähigkeit, die über den Tellerrand des bloßen Hier und Jetzt hinausblickt.
  • Der rabiate Wunsch nach Brauchbarkeit und Verwertbarkeit hat nicht nur handfeste Mängel in der Beherrschung der simplen Kulturtechniken verursacht (siehe PISA), sondern den Blick auf die bloße Funktionstüchtigkeit des Einzelnen in einer Konkurrenzgesellschaft verengt. Bilder von Hybris und die Aufforderung  Γνω̃θι σαυτόν sind Wegmarken, die man nicht ungestraft übersieht.
  • Neben dem großen Ernst - und aufs engste mit ihm verbunden -ist große Heiterkeit Kennzeichen griechischen Lebensgefühls. Ein Anflug von ihr sollte immer präsent sein, wo Griechisch präsent ist.