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Althandy-Sammlung in Bayern:
bis 30.Juni 2012 Sammelstationen im Sekretariat und im Direktorat

 

 

Deutsch   -   Literarisches Leben

Christian Zehnder, Julius

Julius fuhr in eine weite Flußbiegung, der Zug neigte sich beinahe über das Wasser. Den Passagieren schien vom Hügelland auf der anderen Seite des Flusses die Abendsonne ins Gesicht, und trotzdem schliefen die meisten, überrascht von der Wärme des Tages, vom Leuchten der Landschaft, das am Morgen noch der weiße, dünn ausgestreute Schein des Winters gewesen war. Die Windjacken, in denen sie zum Bahnhof gekommen waren, zogen sie nicht aus.
Einige wenige fanden es interessanter, in den Waggons hin- und herzugehen und in den unbesetzten Abteilen an den Fenstern zu stehen. Sie ließen die Scheiben herunter, Schatten von Telegrafenmasten fuhren über ihre Gesichter, und sie kehrten zurück zu ihren Plätzen, etwa neben einen schlafenden Großvater mit Enkelkind. Nach einer Weile begab sich ein nächster in das freigewordene Abteil und schloß das Fenster, als wäre das seine Aufgabe. Julius fragte sich, ob am Ende alle miteinander bekannt waren.
Als er aufstand und selber zu einem offenen Fenster ging, sah er über den Hügeln eine weiße Wolke. Lauwarmer Wind blies ihm ins Gesicht. Die Wolke wurde kleiner, und er blieb allein beim Fenster, bis er sie nicht mehr sah. Später griff er, wieder am Platz, nach den paar Sachen in seinem Rucksack und weckte damit eine Frau vis-à-vis. Er wollte sich entschuldigen; das wäre das erste Gespräch gewesen. Doch sie schaute ihn gar nicht an und fuhr statt dessen mit der Strickarbeit fort, die sich in ihren Händen gewellt hatte.

Beginn des Romans Julius von Christian Zehnder. München: dtv premium 2011

Literarischer Zettelkasten

Der Unterricht in der Muttersprache ist ein Basisfach, vielleicht das Basisfach des Gymnasiums. Es ist nicht wenig, was der Deutschunterricht vermitteln kann:

  • solides Handwerkszeug: Jeder sollte seine Muttersprache ordentlich beherrschen.
  • Förderung der Kreativität, der künstlerischen Sensibilität: Zumindest ein wenig kann man lernen, nicht nur korrekt, sondern auch gut zu schreiben.
  • literaturhistorisches Wissen
  • durch die Begegnung mit bedeutenden Texten: Auseinandersetzung mit großen Fragen des eigenen Menschseins, der Geschichte, der Philosophie
  • Gespür für Ästhetik
  • Basisfertigkeiten im Umgang mit Texten, benötigt nicht nur im Fach Deutsch selbst: etwa die Fähigkeit, den Inhalt und den Aufbau, ggf. die Argumentationsstruktur eines Textes genau zu erfassen
  • das Vermögen, rhetorische Muster, die die Aussageabsicht eines Textes mitbestimmen, zu erfassen und zu verstehen
  • und sicher noch vieles mehr...

Eine Übersicht über die am Wilhelmsgymnasium im Fach Deutsch verlangten Schulaufgabenformen finden Sie hier: Schulaufgabenprogramm.

Schüleraufsätze: Kostproben

Die Freude an der Muttersprache – auch außerhalb des Unterrichts – zu fördern, dafür tun wir am Wilhelmsgymnasium manches. Wir veranstalten regelmäßig

Das Wilhelmsgymnasium ist auch Seminarschule für die Ausbildung von Lehramtsreferendarinnen und -referendaren im Fach Deutsch. Dem Seminarjahrgang 2010/2012 gehören elf, dem Jahrgang 2011/2013 acht angehende Deutschlehrerinnen und -lehrer an.

Das Stammkollegium des Fachs wird gebildet von Reiner Abenstein, Franz Bletschacher, Birgit Bopp-Trautmann, Michael Gollnau (Fachbetreuer), Martin Hann, Christina Haselhuber (Seminarlehrerin), Margarete Herb, Dr. Johann Jokl, Dorit Kunstmann, Wolf Leithoff, Hans Maier-Fuchs, Barbara Newrzella, Dr. Alexandra Pfeiffer, Melanie Schindler, Prof. Dr. Rolf Selbmann, Robert Vetterle, Matthias Wagener und Brigitte Waltenberger. Im 1. Halbjahr des Schuljahres 2011 / 2012 unterrichtet im Rahmen seiner Ausbildung auch Konstantin Leiß als Zweigschulreferendar das Fach Deutsch.